reflections

Vergessene Zeit

Durch Zufall habe ich gerade erst wieder gemerkt, dass ich diesen Blog habe. Immer wieder wenn sich die Leere in mir ausbreitet, fange ich mit so etwas an. Einträge in Foren, Anmeldungen, Blogs... ich mag dann wie einen Hilfeschrei ein Lebenszeichen in die Außenwelt geben, in der Hoffnung, es kommt die eine Person, der eine Satz, die eine Ablenkung, die alles ändert. Jetzt, ein Jahr später, geht es mir im Moment ganz gut. Ich bin etwas raus aus meinem Alltag für ein paar Wochen und fühle mich seitdem wieder geerdeter. Mein aktuelles Problem wechselt zwischen "Liebe ich meinen Freund?", "Mag ich nicht eigentlich lieber mit einer Frau zusammen sein?" und dem nicht enden wollendem Problem "Wie finde ich Menschen, die mir nahe stehen?". Hätte ich letzteres, wäre ich so viel glücklicher. Die Einsamkeit macht traurig. Ich habe aber kein Talent dazu, Menschen zu finden, die ich mag. Ich habe Talent dazu, Leute anzusprechen und freundlich und nett zu tun und sie eigentlich nicht leiden zu können. Ich bin tiefgründig, ich liebe Gedichte, Sprache, Reisen, Aktivitäten, über Emotionen und Pläne reden und Pläne schmieden. Entweder treffe ich auf für mich langweilige Menschen (nur Uni im Kopf und ihre wöchentlichen Gesangsstunden; nur Uni, Freund und am Wochenende arbeiten; nur Dorf, Dorfverein und Dorf; nur Arbeit und Weiterbildung nach der Arbeit) oder ich sehe das Interessante nicht in Ihnen. Niemand redet viel über seine Gefühle, niemand macht Reisepläne oder erzählt mir von seinen Träumen (außer 0-8-15: ich spare all mein Geld für ein Haus und kann daher leider nicht mit dir etwas unternehmen. Das Haus möchte ich später mit meinem Mann (meinen Freund will ich aber noch unter keinen Umständen heiraten, das wäre ja verrückt, wir sind viel zu jung) und Kinder (ich weiß noch gar nicht, ob ich Kinder will, eigentlich mag ich sie nicht)). Wie kann man nur so sein? Ich schwanke zwischen dem Wunsch, Hobbys auszuprobieren, Ideen, womit ich mich selbstständig machen möchte, Reisepläne, Pläne für längere Zeit ins Ausland zu gehen und dem Wunsch, meinen Freund zu heiraten, Kinder zu bekommen und das vorzubereiten. Ich kann dieses "ich gehe zur Uni, weil jeden Tag lernen und so, das ist ein tolles erfüllendes Leben" und "ja, ich schau mal wie das mit meinem Freund ist. Hauptsache ich spare all mein Geld für ein diffuses später, auf das ich mich noch nicht festlegen will" nicht gut. Ich spare sehr viel, aber es macht mich unglücklich. Nichts ist sicher in der Zukunft, in der Gegenwart ist sicher, dass ich nicht glücklich bin. Warum also nicht 1/5 vom Vermögen abholen und eine Zeit ins Ausland? Warum also nicht das Gehalt vom Nebenjob sparen, um etwas zu unternehmen? Natürlich, es ist nicht alles mit Geld machbar. Es geht sich auch um die Zeit, die ich dann nicht karrierebezogen arbeite. Ich hasse mich dafür, dass ich nicht die gleichen Träume habe wie alle. Es wäre so viel leichter. Wenn es mich glücklich machen würde, so zu leben. Wenn ich es wollte. Statt Dinge zu wollen, die nicht gut sind in der Gesellschaft. Das Problem ist, ich kann meiner eigenen Einschätzung nicht trauen. Ich kenn mich selbst doch noch nicht mal. Und Borderliner sind doch immer schwankend, wollen die Beziehungen beenden, können nicht gut im gleichen Job arbeiten, kämpfen in alle Richtungen, weil "irgendetwas nicht stimmt". Ich trau meinen Entscheidungen nicht. Wer sagt, dass ich dann glücklicher wäre. Wer sagt, dass ich dann nicht genauso unglücklich wäre, aber mein Geld und meine Karriereoptionen über den Haufen geworfen hätte, was mich dann danach nur noch umso unglücklicher und selbsthasserfüllter macht? Ich habe ein Tattoo, was ich hasse. Ich habe spontan gehandelt, auf das Bauchgefühl gehasst. Ich mag meinen Studiengang nicht. Es war keine spontane Entscheidung, aber mein Bauchgefühl war dagegen. Ich mache nicht viele Fehler. Aber wenn, dann sind es richtig große Fehler. Und die Entscheidung gegen das 0815-Ideal, eine andere Richtung einschlagen, kann vielleicht genau das Richtige sein oder eben der nächste große Fehler. Nur für große Fehler habe ich Händchen.

25.3.14 10:33, kommentieren

Werbung


Borderline

Identität. Ich weiß nicht viel von mir und doch könnte ich hunderte von Seiten füllen, indem ich diese Frage beantworte. Wie oft machte ich genau das! Wie oft erkannte ich mich und erkannte mich doch nicht in alledem! Ich habe es nun verstanden. Ich bin borderline erkrankt, eine Borderlinerin, charakterisiert durch ein instabiles Ich. Für viele Betroffenen ist das einzig Stabile an ihrem Ich zu wissen, diese Krankheit zu haben. Es macht Sinn, in einem Monat ist das große Problem, dass ich mich alleine fühle, im anderen, dass ich nicht auf Menschen zugehen kann, im anderen, dass ich nicht mit Stress umgehen kann, im anderen, dass meine Eltern sich nicht für mich interessieren, im anderen, dass die Gesellschaft Druck auf mich ausübt, im anderen, dass ich an meiner sexuellen Orientierung zweifel, im anderen, dass meine Beziehung mich wohl nicht glücklich macht, im anderen, dass ich beruflich nicht so recht weiß, wohin, im anderen, dass ich schnell krank werde, im anderen... ich bin es LEID! Diese Problematik und andere, die mit der Krankheit verknüpft sind, werden sich durch diesen Blog ziehen. Es ist eine Persönlichkeitsstörung, ich als Person bin gestört. Untrennbar mein Ich und meine Krankheit. Alleinsein. Einsamkeit. Schrei nach Außen (Ihr müsst mir helfen!). Ich kann mir selbst nichts geben, ich bin, was mir gespiegelt wird. Vielleicht mache ich es mir leicht, indem ich das so feststelle. Vielleicht kann ich auch nur einen Gramm mehr Schwere nicht standhalten? Mein Leben ist wie ein Klotz, der mich in die Tiefe zieht. Arbeit an mir ist etwas, was ich kontinuierlich von mir verlange. Am liebsten würde ich jegliche Kritik verbieten und mir verbitten, es macht unsympathisch, ist lächerlich und wer nicht meine Hölle lebt, wird es nicht verstehen. Du hast die Macht mir zu sagen, was ich von mir zu denken habe. Sagst du, ich bin doof, werde ich versuchen mich für doppelt so doof halten. Ich bin so streng zu mir, ich hasse mich und kann damit kaum umgehen. Das Tier in mir wird stark und unbändig. Es kann feige sein.

2 Kommentare 23.2.13 23:12, kommentieren

Stress.Stress, Wochenendstress, Arbeitsstress, Ichseinstress

Wie überwinde ich mein Stress-Ich? Blogs gelesen, Bekannte gefragt, Bücher durchflogen und Gedankenkreisen.

Sport: Seit Januar ist die Sportlust in mir ungebändigt und das zum ersten Mal in meinem ganzen Leben. Leider habe ich aber nach zwei Wochen erfolgreichem Sportlern eine nicht endend-wollende Erkältung. Zudem habe ich gelesen, dass Sport Stresshormone freisetzt und nur insofern eine Ressource gegen Stress ist, als dass sie den Körper langfristig daran gewöhnt mit Stresshormonen umzugehen - werden diese allerdings in übermäßiger Menge bereits freigesetzt und der Körper kommt mit seiner Reaktion nicht nach... dann ist Sport keine gute Lösung.
Entspannungsübungen: Atem- und Klopfübungen, baden und -auch wenn es mir peinlich- ist beten. Temporär nett als sinnvoll erscheinende Tätigkeit (im Vergleich zu Fernsehschauen), aber es senkt mein Stressniveau einfach nicht.
Weglaufen: Mal alles stehen und liegen lassen. Den ganzen Tag nur rumgammeln, wenn einem mal danach ist. Das Wochenende nach Hause fahren, auch wenn man arbeiten müsste. Schön, so lange es anhält. Der Neueinstieg in den Alltag, in die Aufgaben, ist umso schwerer.

--> Ergo: Ich brauche ein anderes Ventil.

Seit ca. Oktober ist mein Anspannungsniveau unerträglich. Welche Abgründe meiner Selbst sich nun auftun über die ich mir nie bewusst war. Wie soll ich aufgeben, was alles war, was mich in langen, dunklen Zeiten aufrecht erhielt? Ich rede von Gedanken, ein gemeines, unlogisches Selbstbild.
(Sich selbst als Monster anzusehen, brachte Sinn. Ich leide, weil ich es verdiene. Es ist meine Aufgabe zu leiden. Es macht einen Sinn. Es sollte so sein. Dafür muss ich leben. Einen einfachen Weg wählen... nein, das habe ich nicht verdient.)

Wie ein Pferd, wie ein Tier benehme ich mich ab und an. Vor Jahren fing es an. Selten, dosiert, für Notfälle. Im Oktober, November, Dezember... ergriff das unmenschliche besitzt von mir. Viermal, fünfmal im Monat Wut, Hass und Kraft. Ausgelebt. Wer war ich plötzlich, was passierte da mit mir? Was war im Oktober denn so anders als in den Monaten zuvor? Ich weiß es nicht, aber ich verlor mich und finde mich seitdem nicht. Verlorene Verliererin... sagte Linda schon vor 8 Jahren. Bin ich immer noch das gleiche Häufchen Elend? Oder noch viel elendiger, viel zusammengefallener? Ich fürchte letzteres. Die Zeit macht mich mürbe, holt die dunkelsten Ecken aus mir heraus.
Aus Neujahrstrotz wollte ich das Tier abschütteln. Ich lasse das nicht zu, dachte ich und kontrollierte mich wie ein Tier, kein Tier zu sein. Ständig weine ich bei jedem Blick und dem was er bedeuten könnte, bei jeder Reaktion, die ich bei jemanden bewirken könnte durch etwas was ich sagen könnte... der ewige Gedanken im Konjunktiv. Ich habe mich durchschaut. Keine Kritik, kein Stress darf mich mehr treffen, die das Tier in mir erwecken könnte. Näher ich mich der Gefahrensituation, werde ich zum weinenden, ewig stotternden Wrack. Unbeweglich.
Es ist mir lieber als das Pferde-Ich. Aber nicht wirklich besser. Ein anderes Tier, mehr nicht. Menschlich habe ich nichts zurückgewonnen. Und ich werde das Tier nicht los und finde den Menschen in mir nicht wieder!

Ich sehe es geht so nicht weiter und bin bereit die Dinge zu ändern. Ich habe keine Wahl. Nur wie?
Der Beschluss sein Semester länger zu studieren, eine Klausur zu schieben und trotzdem im Sommer aus RLP wegzukönnen, war wirkungslos. Die Einsamkeit zerfrisst mich, der Stress zerreißt mich, der Spiegelblick unerträglich. Jeden Morgen öffne ich die Augen und spüre den Schlag des Lebens auf meinen Lidern. Es muss etwas passieren, ich schnappe über. Wenn es so weiter geht, bin ich Anfäng März in der Klinik. Nicht weil ich will, weil es nicht mehr anders geht. Und wenn ich das nach fast 10 Jahren Persönlichkeitsstörung und Affektstörung sage, ist es ernst gemeint.

Meine neue Idee: Baustelle Sozialkontakte. Konkretes Vorgehen noch ungeklärt.

23.2.13 22:57, kommentieren

Ein Anfang

Ich komme mir vor wie ein sich schämender, unsicherer Mann, der die Feierlichkeiten zu seiner 5.ten Ehe nicht so recht genießen kann. Wen lädt man ein? Was soll die elementare Rede noch beinhalten, was davon kann noch als wahr verwertet werden? Das ist mein Blog Nr. Ungezählt. Ich wollte mich immer neu erfinden, mich selbst verleugnen, mich neu entdecken. Tu ich das hiermit schon wieder? Keine Rede heute. Der verschämte Mann hat nur gedacht, nicht gesprochen. (Vielleicht noch nicht bereit für die neue Ehe?)

23.2.13 22:26, kommentieren



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung